Das Deutsche Herz für Palästina

*Aus Protest gegen die Veranstaltungsreihe "Filistina" in Hannover*

Für die PalästinenserInnen an sich würde sich kaum jemand interessieren, genauso wenig wie die Öffentlichkeit anderen Menschengruppen oder Minderheiten in Asien und Afrika, die in zum Teil weitaus gewalttätigere Konflikte verwickelt sind oder ihnen zum Opfer fallen, besonders viel Aufmerksamkeit schenkt.

Es interessierte sich auch kaum jemand für die tausenden getöteten PalästinenserInnen, als König Hussein von Jordanien 1970 zur Bekämpfung der PLO das Flüchtlingslager in Amman bombardieren ließ, genauso wenig wie für die ZivilistInnen, die fortwährend unter dem palästinensischen Bandenkrieg und der Sharia zu leiden haben.

Doch die PalästinenserInnen haben einen großen Standortvorteil für die internationale Öffentlichkeit und Entrüstung: Es ist dies der Staat der Juden, der die PalästinenserInnen für einen modernisierten wie globalisierten christlichen und islamischen Antisemitismus interessant macht.

In sie kann sich jedes Kollektiv projektiv einfühlen, das sich als Opfer der Juden wähnt. Dies gilt ganz besonders für den deutschen Blick auf den Nahen Osten. Zwar gibt es hier nach wie vor das Oberflächenphänomen der Westbindung in der Folge von Kriegsniederlage und Kaltem Krieg, doch tiefere, tradierte Sehnsüchte treiben die Deutschen an die Seite von autoritären und völkischen Kollektiven. Deutsche und Palästinenser verbindet ihre Konstitu-ierung als Volk in der Negation des Jüdischen.

Die Volkswerdung der Deutschen verlief in der Gegnerschaft zu den bürgerlichen Revolutionen des Westens und in der Bekämpfung des mit diesen identifizierten Jüdischen.
Selbiges gilt auch für die PalästinenserInnen, von denen noch keine Rede war, bevor es zu jüdischer Einwanderung kam. Die Kräfte, die sich mit den Juden arrangieren wollten, wurden während innerpalästinensi-scher Kämpfe liquidiert und so kam es bereits in den 1920er und 30er Jahren zu antisemitisch motivierten Pogromen an der alteingesessenen jüdischen Bevölkerung, ganz zu schweigen von der Kollaboration führender Palästinenser mit Nazideutschland.

1947 gab es einen Teilungsplan der UN für das britische Mandatsgebiet Palästina, der neben einem jüdischen Staat auch einen arabischen vorsah. Diesen Plan lehnte die arabische Seite allerdings ab, weil sie die Entstehung eines jüdischen Staats, der spätestens nach dem Holocaust zur absoluten Notwendigkeit geworden war, unbedingt verhindern wollte.

Während es bereits unmittelbar nach Verkündung des Teilungsplans zu gewalttätigen Aktionen
arabisch-palästinensischer Milizen unter der Führung des NS-Kollaboranten al-Husseini kam, griffen nach der Ausrufung des Staates Israel am 14.5.1948 die arabischen Staaten Israel unter Vernichtungsankündigungen an.

Im Zuge dieses Krieges kam es zur Flucht vieler PalästinenserInnen und auch zu Vertreibungsaktionen. Entscheidend in diesem Zusammenhang ist aber, daß – wie neueste Forschungen zeigen – in der Zeit nach der Verkündung des UN-Teilungsplans und vor dem Angriff der arabischen Staaten die politisch-religiöse Führung der Palästinenser weit mehr als dreihunderttausend (!) Menschen der eigenen Bevölkerung aus ihren Häusern und Dörfern vertrieben hatte, um damit – in kaum auflösbarer Verbindung mit ihrer strikt antisemitischen Grundhaltung – die Macht und den Einfluß zu sichern oder aufrechtzuer-halten, den sie bei der Entstehung des jüdischen Staates zu verlieren befürchtete.1

Doch über diese zeitgeschichtlichen Zusammenhänge sieht die deutsch-palästinensche Propagandaveranstaltung "Filistina"2 geflissentlich hinweg. In ihrer Ankündigung wird kontextlos die "Vertreibung" der Palästinenser ursächlich auf die Gründung Israels zurückgeführt, wodurch die Pflege des "Al-Nakba"-Mythos zur Anklage gegen die Existenz Israels erhoben wird.

Al-Nakba, die sogenannte Katastrophe der PalästinenserInnen, wird in dem Ankündigungstext (für eine Filistina-Veranstaltung am 6.Juni) gar mit dem Holocaust auf eine Stufe gestellt. Die Anerkennung der deutschen Schuld an der Shoah wird hier zum Vorbild für eine geforderte Anerkennung vermeintlicher israelischer Schuld an der Nakba. Es wird sehr deutlich, dass es darum geht, deutsche Schuld zu relativieren, indem man sie mit angeblicher israelischer Schuld vergleichend kontrastiert.

Mehr noch: es wird sogar suggeriert, dass Deutschland im Gegensatz zu Israel seine Schuld vorbildhaft eingestanden und wiedergutgemacht habe, womit selbst noch die deutsche Täterschaft zum Anklagepunkt gegen Israel erhoben wird.

Ganz ähnlich wie die deutsche Debatte um alliierte Bombenangriffe und "Ost-vertriebene" die Deutschen als Opfer inszeniert, hierfür vom Zusammenhang von Ursache des deutschen Angriffs- und Vernichtungskrieges und Wirkung absieht und somit Täter-Opfer-Umkehr betreibt, funktioniert auch die arabisch-palästinensische Propaganda des Al-Nakba-Mythos.

Als Anliegen von Filistina weisen die Veranstalter aus, "auf die kulturelle, soziale und politische Existenzberechtigung des palästinensischen Volkes in einem gleichberechtigten Staat" aufmerksam machen zu wollen und behaupten damit implizit eine existentielle Bedrohtheit des Volkes, welches sich doch erst in der Feindschaft gegen die Juden konstituiert hat.

Und gerade weil die palästinensische Identität wie die deutsche auf nichts anderem beruht als auf irrationaler Feindschaft, muss sie sich permanent bedroht fühlen und um sich schlagen, sowie sich selbst als Kulturnation mit aller-lei Tradition und Folklore inszenieren.

In solcher Inszenierung wird aber tatsächlich die nur durch Gewalt und Feindschaft konstruierte Identität fetischistisch als ewige Naturtatsache aufgeblasen, um im Karneval der kulturellen Vielfalt seinen festen Platz einzufordern und das Individuum – subsumiert unter das Kollektiv – in den Kulturkerker zu sperren.

Doch die Forderung nach einem palästinensischen Staat, der den glückseligen Frieden einzuleiten vorgibt, muss doch angesichts der gegenwärtigen Realitäten skeptisch betrachtet werden. Was anderes wäre von einem solchen denn zu erwarten als brennende Synagogen und der Dauerbeschuss israelischer Städte infolge des Abzuges der israelischen Armee aus dem Gazastreifen? Was ist von einem Gemeinwesen zu erwarten, das wie kein anderes in der Welt derartig vom Ausland alimentiert wird und dennoch außer terroristischer Milizen und antisemitischer Propaganda nichts hervorbringt?

Nach allen Verlautbarungen der maßgeblichen Kräfte Palästinas steht außer Frage, dass ein separater paläs-tinensischer Staat nur als Provisorium und bessere Ausgangslage gedacht ist auf dem Weg zur Erobe-rung "ganz Palästinas", d.h. zur Vernichtung Israels.

Auch die famose Forderung des Rückkehrrechts der palästinensischen Flüchtlinge, die garantiert auch bei "Filistina" wieder erhoben wird, weiß ganz genau um seine Implikationen, die verschwiegen werden. Wie kommt es denn, dass der Flüchtlingsstatus sich auf die nachfolgenden Generationen vererbt und diese nach 60 Jahren immer noch in sogenannten Flüchtlingslagern leben? Doch wohl nur, um diese von den arabischen Staaten und der palästinensischen Führung als Anklage und Druck-mittel gegen Israel zu instrumentalisieren.

Hierin, wie auch bspw. in der missbrauchenden Benutzung der Gazabevölkerung durch die Hamas, wenn sie ihre Raketen aus Wohnsiedlungen abfeuert oder den Menschen Nahrung und Versorgung vorenthält, um Israel die Schuld zuzuweisen, zeigt sich die vollkommene Menschenfeindlichkeit der (meisten)palästinensischen und arabischen Führer.

Die Ablehnung des Rückkehrrechts durch Israel allerdings ist alles andere als behaupteter Rassismus. Denn die mittlerweile über Generationen stark zugenommene Zahl der sogenannten Flüchtlinge, die stark antisemitisch aufgehetzt sind, würde nicht nur die Sicherheit Israels gefährden, sondern auch die notwendige Besonderheit Israels als jüdischer Schutzraum in einer antisemitisch struktu-rierten Welt in Frage stellen.

Und genau darum geht es den Antisemiten: Die Juden wieder wehrlos zu machen, um über sie verfügen zu können, d.h. perspektivisch sie zu verfolgen und zu vernichten.

Es lässt sich also feststellen, dass Filistina nichts anderes ist als ein geschichtsrevisionistisches und antizionistisches Projekt deutsch-palästinensischer Waffenbrüderschaft, welches den Holocaust relativiert und völkisch-kulturalistischen Nationalismus vermittelt.

Skandalös in der Offenheit, aber bezeichnend im deutschen Interesse des Ressentiments ist nach wie vor die breite Untererstützung, welche die Veranstaltungsreihe erfährt. Neben diversen Einrichtungen, in denen die Veranstaltungen stattfinden, unterstützen sie die Stadt Hannover, die örtliche Sparkassenstiftung und die Heinrich-Böll-Stiftung.

Oberbürgermeister Weil und der Vorsitzende des Instituts für Politische Wissenschaft der Uni Hannover, Schmalz-Bruns, sprechen bei der Eröffnungsfeier. Den antisemitischen Charakter Filistinas belegt auch ein Blick auf die Initiatoren und Referenten der Veranstaltungsreihe.

Die maßgeblichen Veranstalter sind Raif Hussein und Wilhelm Wortmann. Im Interview mit der völkischen Tageszeitung Junge Welt vom 4. Februar 20063 verurteilt der Vorsitzende der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft, Raif Hussein, die "Widerstandsstrategie", wie er es nennt, der per Volkswillen zur Regierung des Terrors aufgestiegenen Mörderbande der Hamas.

Diese erklärt in ihrer Organisationscharta, was die Deutschen spätestens seit Adolf Hitler wissen, nämlich dass die Juden hinter allen Kriegen und Übeln in der Welt stecken, hinter Kapitalismus wie Kommunismus, um die Weltherrschaft zu erlangen, was in der Charta mit den Protokollen der Weisen von Zion "belegt" wird4.

Die Selbstmordattentate, dieses "Sein zum Tode", deren erklärtes Ziel es ist, im Namen Allahs und des palästinensischen Volkskollektivs, also aufgrund von Aberglauben, möglichst viele Juden in Stücke zu reißen, diese beste deutsche Tradition verurteilt Hussein nicht etwa aufgrund ihrer barbarischen Raserei, aufgrund des wahllosen Tötens von Menschen, weil sie Juden sind, nein, er verurteilt sie, weil sie "der palästinensischen Sache mehr geschadet" hätten "als alles andere in den vergangenen 40 Jahren" – also aus demselben Grunde wie ein Mohamed Mahathir, ehemaliger malaysischer Ministerpräsident, Selbstmordattentate ablehnt, da sie für einen langangelegten "Endkampf" der Muslime gegen die Juden hinderlich und kontraproduktiv seien.5

Er verurteilt sie also aufgrund eines "Antisemitismus der Vernunft", der schon die Initialisierung des deutschen Vernichtungs-programmes war. Hussein möchte aber nicht vorschnell pauschalisieren: So differenziert er innerhalb der Hamas, die sich auf das Töten von Juden eingeschworen hat, zwischen Gemäßigten und Radikalen, also zwischen Leuten wie Hussein, Mahathir und Hitler einerseits und den ungestümen Suizidbombern andererseits.

Der Westen allerdings, so weiß Hussein, wolle die Hamas und damit das "Volk" nur erniedrigen, also in ihrem erhabenen islamischen Ehrgefühl verletzen, wenn er darauf dränge, Israel anzuerkennen, wodurch die Radikalen gestärkt würden. Was ja nur heißen kann, dass die Existenz Israels – und also der Juden – das islamische Ehrgefühl verletzt und daher aus Gründen der Würde Israel vernichtet werden müsse. Weiter spricht er von einer "Apartheidmauer", womit er die Sicherheitsbarriere meint, die bereits viele willige Massenmörder von ihren Taten abgehalten hat.

In Verdrehung seiner eigenen Wünsche branntmarkt er damit Israel als rassistisch und faschistisch.

In einem Interview der Rechtspopulisten von Linksruck6 bezeichnet er Israel überdies als "koloniales Projekt", womit er durchblicken lässt, dass er Israel erstens keine lange Lebenszeit mehr gewähren möchte, da ein Projekt nur etwas Vorübergehendes ist, und zweitens wärmt er die Mär der jüdischen Weltverschwörung auf, indem er Israel zur nur jüdischen Kolonie degradiert, was ja heißen muss, dass es dazu noch das entsprechende jüdische Imperium geben müsse, welches in der antisemitischen Fabulation letzt-lich die ganze Welt sei, im engeren sich aber aktuell meist auf die USA konzentriert.

Da dem Antisemiten die jüdische Schuld immer schon a priori feststeht, weiß auch Hussein, dass es Israels schuld sei, dass die Hamas neben den besorgten Geldern aus Europa nun auch großzügig vom Iran fürs Judenmorden belohnt wird. Was die Anti-semiten den Juden antun wollen, das behaupten sie als jüdische Machenschaft. So wollen Nationalsozialismus und Islamismus die Weltherrschaft und behaupten darum, die Welt vor einer jüdischen Weltherrschaft retten zu müssen.

So ist Hussein auch Unterzeichner eines Aufrufs zur Bildung eines internationalen Komitees für den Schutz des "palästinensischen Volkes"7 vor der "schleichenden ethnischen Säuberung", des "Völkermordes", den die Israelis angeblich an den Palästinensern vollziehen würden, wobei doch die Wahrheit ist, dass die meisten Palästinenser durch andere Palästinenser bei internen Machtkämpfen und beim Vollzug von islamischen Strafen gegen Sünder und vermeintliche Kollaborateure ihres Lebens beraubt werden. Hierbei handelt es sich also abermals um eine Projektion eigener Absichten und zugleich um eine deutscherseits gern gesehene geschichtsrevisionistische Umkehr.

Wilhelm Wortmann8 seinerseits führt den Nahostkonflikt ursächlich auf die Einwanderung jüdischer "Eindringlinge" zurück. Während er einen behaupteten israelischen "Staatsterror" verurteilt, gesteht er den PalästinenserInnen das Recht auf Widerstand in verschiedenen Formen zu, womit er den Aufruf zum Judenmord nur notdürftig verschleiert. Nicht ein sprachlicher Faux-pas unterläuft ihm, wenn er als israelische Intention zum Bau der Sicherheitsbarriere angibt, sie diene dazu, "den arabischen Lebensraum hermetisch abzuschließen", sondern seine eigenen Sehnsüchte offenbaren sich in der Verwendung des nationalsozialistischen Terminus "Lebensraum", den es gegen jüdische "Eindringlinge" zu verteidigen gelte, in der Projektion auf das Objekt seiner Sympathien.

Deswegen findet er auch, dass die arabischen Länder 1947 "aus nachvollziehbaren Gründen", die er verschweigt, den UN-Teilungsplan ablehnten. Und daher bleibt auch das Selbstbekenntnis "Wir als Europäer – und als Deutsche" nicht aus, woraus eine besondere Ver-antwortung für Palästina erwachse, weswegen "wir", "um so unerbitterlicher" Fragen an Israel stellen müssten.

Die eigentliche Intention seiner Palästinasolidarität verkündet er sogleich in einem vorangestellten, unbelegten Zitat eines "bekannten Israelis": "Mit dem Sechs-Tage-Krieg 1967 hat Israel seine Unschuld verloren!" Darum geht es dem deutschen Palästinafreund: Um die jüdische Schuld, die von deutscher Schuld entlastet und dazu herausfordert, sie – gerade als Deutscher – anzuklagen, also um die Fortsetzung der deutschen Obsession, den jüdischen Störenfried unaufhörlich zu jagen.

Zu Rolf Mützenich, dem Nahostexperten der SPD-Bundestagsfragtion, sei nur kurz erwähnt, dass auch er für Gespräche mit der Hamas votiert9 und zu Wolfgang Marienfeld, dass er Mitglied des Bergedorfer
Gesprächskreises der Körber-Stiftung ist, der am 17.4.2008 den stellvertretenden Außenminister des Irans, Mehdi Safari zu Gast hatte.10

Dieser führte dort Gespräche mit Bundestagsabgeordneten, Vertretern des Kanzleramtes und ausgewählten Think Tanks über die deutsch-iranischen Beziehungen, also Konsultationen unterhalb der offiziellen Regierungsebene mit einem klerikalfaschistischen Regime, welches Israel mit der Atombombe auslöschen will, mit Nazis und Antisemiten in aller Welt kooperiert, wichtigster Sponsor und Lieferant diverser Terrororganisationen ist und die eigene Bevölkerung gnadenlos unterdrückt.

Etwas ausführlicher soll abschließend noch auf Udo Steinbach11 eingegangen werden, der sich stolz zu seinem Einfluss auf die deutsche Regierung in Bezug auf die gebesserten Beziehungen zum Iran bekennt. So verkündete er es in einer Veranstaltung jüngst am 25.5.2008 in Berlin, bei der er in kulturrelativistischer und anti-emanzipatorischer Manier auch behauptete, Demokratie und Menschenrechte seien genuin "westlich" und daher nicht exportabel, womit er unverhohlen die autoritären und klerikalfaschistischen Regime des Nahen und Mittleren Ostens legitimiert und rassistisch den Menschen dort die Befähigung und Berechtigung auf elementarste Freiheiten abspricht.

Udo Steinbach war von 1976 bis 2007 Leiter des in Hamburg ansässigen Deutschen Orient Instituts (DOI). Das DOI fungierte als Vordenker der deutschen Außenpolitik und beriet das Verteidigungsministerium, das Auswärtige Amt und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Es wurde jährlich mit rund 385 000 Euro vom Auswärtigen Amt und mit einer ähnlich hohen Summe vom Senat der Stadt Hamburg finanziert. Das DOI analysierte dabei "die Konsequenzen für Regierungstätigkeit und zivilgesellschaftliches Engagement" im Nahen und Mittleren Osten und sah die "Sympathie, die Deutschland traditionell in der gesamten Region entgegengebracht wird", als Chance für die deutsche und europäische Außenpolitik. Nach Udo Steinbach wird "die Bundesrepublik im Nahen Osten weithin als künftige Großmacht und als ein Akteur gesehen, der ein Gegengewicht gegen eine allzu dominante amerikanische Machtausübung bilden kann."12

Worauf allerdings die traditionelle Sympathie beruht, die Deutschland dafür qualifiziert, eine gewichtige Rolle im Nahen und Mittleren Osten zu spielen, wird geflissentlich übergangen: Die Gründe sind in den deutschen Traditionen antiwestlichen, antiamerikanischen und antisemitischen Denkens und Handelns zu finden, nicht zuletzt in seiner konsequenten, nationalsozialistischen Variante, und den sich darauf aufbauenden historischen Bündnispolitiken.

Das DOI war das Aushängeschild des "kritischen Dialogs". Dabei führt es diesen Dialog auch gerne mit Islamisten, wie auf der im Februar 2004 gemeinsam mit der Friedrich-Ebert-Stiftung und dem libanesischen Consultative Center for Studies and Documentation (CSSD), einem Think Tank der islamistischen Hizbollah, in Beirut organisierten Tagung "The Islamic World and Europe: From Dialogue towards Understanding". Neben deutschen Nahostexperten tagten namhafte Islamisten wie Tariq Ramadan, Azzam al-Tamimi, Jamal al-Banna von der ägyptischen Muslim-Bruderschaft oder Skeikh Naeem Quasim von der Hizbollah.

Der Kritik des Simon-Wiesenthal-Centers an die Veranstalter, den islamistischen Extremismus salonfähig zu machen, wurde erwidert, daß "der kritische Dialog der Strategie [diene], Wandel durch Annäherung zu ermöglichen".13

Steinbach selbst gilt in der deutschen Öffentlichkeit als führender Islamexperte und er nutzt diese Rolle in Interviews und Artikeln immer wieder dafür, auch islamistische Kräfte zu unterstützen und Verständnis für islamistischen Terror zu erreichen, in dem er diesen in einen Kausalzusammenhang mit der Politik Israels und den USA stellt. Auch das Iranische Regime, welches Holocaustleugnung betreibt und an der Atombombe zur Vernichtung Israels arbeitet, verharmlost er und bescheinigt ihm positive und negative Seiten: Europa sei keinesfalls vom Iran bedroht, sondern "allenfalls" Israel oder die Türkei.14

So trat er im September 2007 auch auf einer Konferenz der Industrie- und Handelskammer Hessen zur Verbesserung der deutsch-iranischen Handelsbeziehungen auf.15

Nicht nur Tariq Ramadan war als Berater am DOI beschäftigt, sondern auch der Baathist Aziz Alkazaz, der Verbindungen zu Saddam Husseins Geheimdiensten hatte und dem Steinbach gute Referenzen bescheinigte.16

Neben rechtsgerichteten Zeitschriften und Vereinen, denen Steinbach als Interviewpartner und Referent zur Verfügung steht, wie der Jungen Freiheit, dem Eurasischen Magazin und der Patriotischen Gesellschaft, leistet er antiwestlicher und antisemitischer Propaganda Schützenhilfe, indem er als Stammgast bei IRIB, dem Rundfunk der Iranischen Theokratie auftritt und sich von der Islamischen Zeitung des eliminatorischen Antisemi-ten und konvertierten Nazi Abu Bakr Rieger interviewen lässt.17

Darüber hinaus spricht er auf islamistischen Veranstaltungen beispielsweise von Milli Görüs und dem Islamischen Weg.
Der Islamische Weg der Muslim-Markt-Herausgeber Gebrüder Özuguz ist die wichtigste Organisation bei der Durchführung des Al-Quds-Tages in Deutschland, einer antisemitischen und antizionistischen Propagandaveranstaltung.18

Udo Steinbach sagte dem Spiegel 2004, dass er es gut finde, wenn Leute wie die Özuguz in der Öffentlichkeit hervortreten und er nahm sie auch in Schutz, als sie 2005 zum Mord an dem Publizisten Dr. Hans-Peter Raddatz aufriefen.19

2001 und 2002 trat Steinbach auf der "Islamischen Tagung" des @Islamischen Weges/italic@ in einen Dialog mit dem radikalen Antisemiten und Holocaustleugner Mohammed-Ali Ramin, eine weitere geplante gemeinsame Veranstaltung konnte 2003 aufgrund eines Einreiseverbotes für Ramin nicht stattfinden.

Ramin ist Berater des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad sowie Initiator der Holocaust-konferenz in Teheran, an der Nazis und Holocaustleugner aus aller Welt teilnahmen, und überdies Begründer eines terroristischen Netzwerkes.20

Der Hizbollah, welche die Vernichtung Israels und aller Juden weltweit zu ihren Zielen zählt, bescheinigt Steinbach keine terroristische Vereinigung zu sein, sondern eine legitime Widerstandsorganisation. Die Hamas, die sich mit Berufung auf die "Protokolle der Weisen von Zion" ebenso der Judenvernichtung ver-schrieben hat, sieht er als sinnvollen Gesprächspartner an.21

Kein Wunder also, dass die NPD Hamburg sich solidarisch mit Steinbach erklärte und sich über ein angebliches "zionistisches Komplott" empörte, welches zur Absetzung Steinbachs als Leiter des DOI geführt habe.22

Als Mitverfasser des "Manifest der 25" 23
entdeckte Steinbach die PalästinenserInnen als eigentliche Opfer des Holocaust und will als Deutscher den Israelis Frieden beibringen. In seinem Text "Vision Palästina" von 2004 verwendete er auch klassisch antisemitische Motive
, indem er von einer "seelenlosen Arroganz" der israelischen Armee schrieb.

Bereits 2003 hatte sich Steinbach bei einem Vortrag in Salzgitter-Bad eigentlich vollkommen disqualifiziert und als holocaust-relativierender Antisemit geoutet, als er den jüdischen Aufstand im Warschauer Ghetto mit der palästinensischen Selbstmordintifada gleichsetzte und damit die israelischen Juden als die Nazis von heute bezeichnete.25 Diese Äußerungen hat er im Nachhinein wiederholt bestätigt und verteidigt.26

Ein ums andere Mal wird klar, dass es diesen deutschen Freunden palästinensischer Terror- Organisationen und des iranischen Regimes darum geht, einerseits die deutsche Schuld in der Umkehr und Projektion auf Israel loszuwerden und andererseits den antisemitischen Krieg gegen die Juden in ihrer Unterstützung der Kombattanten fortzuführen. Alles, was gegen diese Leute und ihre Propagandaveranstaltungen unternommen wird, kann nur unterstützt werden.

*Gruppe Anomy, Hannover (Mai 2008)*
http://anomy.blogsport.de

1 http://www.commentarymagazine.com/viewarticle.cfm/1948--israel--and-the-palestinians-br--the-true-story-11355
2 Kritisch zu "Filistina 2006" siehe http://www.lizaswelt.net/2006/03/palstina-der-leine.html
3 Junge Welt, 04.02.2006: »Palästina wird ganz sicher kein zweites Afghanistan« http://www.jungewelt.de/2006/02-04/001.php
4 Hamas-Charta: http://www.memri.de/uebersetzungen_analysen/2006_01_JFM/hamas_charta_17_02_06.html (englisch) ; http://www.nadir.org/nadir/periodika/jungle_world/-_2002/49/31a.htm (deutsche Auszüge)
5 Mahathir erhielt für seine Endkampf-Forderung stehende Ovationen von den versammelten islamischen Staatsführern auf dem islamischen Gipfeltreffen in Kuala Lumpur am 16.Oktober
2003. Vgl. http://www.fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/dokumentation/?cnt=343422 und http://blog.loesch-vk.de/archives/2003_11_01_archive.html
6 Linksruck Nr. 214, 8. Februar 2006: Naher Osten: Frieden heißt Gerechtigkeit. http://www.sozialismus-von-unten.de/lr/artikel_1769.html
7 Aufruf zur Bildung eines Kommitees für den Schutz des palästinensischen Volkes ; http://www.freepalestine.de/contenido/cms/upload/031004/030324_komitee.pdf
8 Alle folgenden Zitate zu Wortmann: http://webdoc.sub.gwdg.de/ebook/lf/2005/palaestina/wortmann.pdf
9 http://www.rolfmuetzenich.de/texte_und_reden/interviews/detail.php?oid=784&klasse=7
10 http://www.koerber-stiftung.de/frames/frames.php?param=http://www.koerber-stiftung.de/internationale_verstaendigung/bergedorfer_gespraechskreis/projekte/fruehstuecke/2008-04-17.html
11 Eine ausführliche Kritik an Steinbach hier: http://anomy.blogsport.de/2008/04/23/flugblatt-gegen-die-udo-steinbach-veranstaltung/
12 http://www.antifa-hamburg.com/text//12.html
13 Ebd.
14 http://www.eurasisches-magazin.de/artikel/?artikelID=20070404
15 http://german.irib.ir/index.php?option=com_content&task=view&id=2456&Itemid=35
16 http://www.antifa-hamburg.com/text//12.html
17 Siehe http://www.isoplan.de/aid/2001-4/interview.htm ; http://www.eurasischesmagazin.de/artikel/?artikelID=20060204 ;; – Islamische Zeitung vom 11.2.05: http://www.islamische-zeitung.de/?id=5466.

Zu Abu Bakr Rieger siehe:
http://videoblog.outcut.tv/2007/09/nicht-ganz-grundlich-abu-bakr.php – Seit Mitte 2007 gab Steinbach IRIB 10 Interviews: http://german.irib.ir/index.php?option=com_content&task=blogcategory&id=14&Itemid=35
18 http://www.gegen-al-quds-tag.de/Material%20und%20Brosch%FCre/gutachten__Quds.pdf
19 Siehe http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=31254247&top=SPIEGEL und http://www.abendblatt.de/daten/2005/10/22/495020.html.
Raddatz selbst vertritt zum Teil antisemitische, verschwörungstheoretische und homophobe Positionen, die es unbedingt zu kritisieren gilt. Diese waren allerdings selbstredend nicht der Hintergrund des Mordaufrufs – hierin finden sich vielmehr gewisse Gemeinsamkeiten mit seinen Feinden – sondern seine islamkritischen Äußerungen.
20 http://en.wikipedia.org/wiki/Mohammad-Ali_Ramin ; http://www.bih-islam.de/Seminar2003.htm , http://www.islamischer-weg.de/Tagung/tagung.htm – Zum Weltbild von Ramin ist
folgendes Interview aufschlussreich: http://honestlyconcerned.info/bin/articles.cgi?ID=IR5307&Category=ir&Subcategory=19
21 http://german.irib.ir/index.php?option=com_content&task=view&id=4052&Itemid=35 , WAZ vom 13.6.07: http://www.derwesten.de/nachrichten/nachrichten/politik/2007/6/13/news-1024478/detail.html
22 http://www.npd-hamburg.de/cms/cms/website.php?sid=bacd6091209af8276fea61505a9e9b6a&id=/de/aktuell/data9295.htm
23 – Kritisch dazu: http://www.lizaswelt.net/2006/11/das-odeur-der-politologik.html
24
http://www.udosteinbach.eu/cms/content/view/29/47/lang,/
25 Offener Brief an die Damen und Herren Mitglieder des Kuratoriums des Deutschen Orient-Instituts, Hamburg (14.05.2004) ; http://www.hagalil.com/petition/04-05/brief.htm

Eine Liste der ErstunterzeichnerInnen (Stand v. 17.05.2004) findet sich unter: http://www.hagalil.com/petition/04-05/unterzeichner.htm
26 Im Internet ist die vollständige Erklärung Steinbachs nachzulesen unter http://www.hagalil.com/archiv/2004/08/steinbach.htm -Vollständig dokumentiert und kommentiert findet sie sich
auch in einem Offenen Brief der Basisdemokratischen Fachschaft Sozialwissenschaften an den geschäftsführenden Direktor des IPW Hannover, siehe http://www.stud.uni-hannover.de/gruppen/fs-sowi